Einen Monat spiegelreflex

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Nach einem Monat heißt es langsam mal Bilanz ziehen. In den letzten 5 Wochen konnte ich leider noch nicht so fotografieren, wie ich es mir gewünscht hätte. Anfangs war das Wetter mies, dann kam Privates dazwischen. Dennoch hat die Kamera schon rund 4500 Auslösungen hinter sich.

Davon sind ca. 2000 automatisch per Software und Laptop bzw. per Intervallometer für Zeitrafferaufnahmen und ca. 2500 per „Zoom, Fokussieren, Abdrücken“ entstanden.

100%ig zufrieden bin ich nicht. Das liegt nicht unbedingt an der Kamera. Es liegt eher an der Spiegelreflex-Technik. Verschlusszeit, Blende, ISO, Fokus. Das konnte ich mir alles mit meiner Superzoom-Kamera sparen, denn da hieß es nur: auslösen. Vielleicht noch das Messfeld der Automatik anpassen, um schöne Effekte erzielen zu können, aber es war schon deutlich simpler. Das Handbuch konnte ich dabei getrost links liegen lassen.

Die Stärke der DSLR ist die Schwäche der Kompakten: das Verhalten bei schlechtem Licht. Aber der Sprung von Kompakt auf Spiegelreflexkamera war erstaunlicherweise gar nicht so groß. Auch hier werden Auslösungen unter 1/80 Belichtungszeit schnell verwackelt bei meiner groben Art.

Auch ist mir die Brennweite von Kit-Objektiv ist nicht in meinem Sinne. Im Weitwinkelbereich sind die 18mm zu wenig und der Zoom ist auch zu kurz mit 55mm. Ich finde gerade die Extremen interessant: 10-20mm Weitwinkel, um irrsinnig viel auf das Bild zu bekommen und 200mm und mehr, um entfernte Dinge zu knipsen.

Schraube ich das 55-250mm EF S Kit-Objektiv eines Kollegen an, macht das Fotografieren schon mehr Spaß, aber für Makro-Aufnahmen ist das Objektiv aufgrund des großen Abstands zum Motiv (1,1m) auch noch nicht wirklich geeignet. Die kompakte Knipse hatte einen Minimalabstand von 2cm. Um den 5,1 Megapixel Allrounder zu ersetzen, bräuchte man also min. 3 Objektive oder ein Zoomobjektiv mit einem großen Brennweitenbereich.

Um selbst mit der Technik klar zu kommen, suche ich im Internet nach interessanten Fotos und deren Entstehungsgeschichte – aus der technischen Sicht. Da kommt man nicht darum herum, Zubehörteile zu kaufen. Dazu aber später mehr.

Was ich bisher gemacht habe und was ich davon halte:

Astrofotografie
Naja, Astrofotografie ist vielleicht etwas übertrieben. Ich habe es mit dem Teleobjektiv nicht einmal geschafft, den Vollmond richtig scharf zu stellen. Aber Sterne aufzunehmen, finde ich klasse. Als ich eine Woche in meinem Heimatort war, bot sich die Gelegenheit, in einer sternenklaren Nacht Fotos zu machen. Es ist erstaunlich, wie auf einmal Sterne sichtbar werden, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen konnte. Belichtungen über 40 Sekunden werden aber meist nicht so schön, da man dann die Sterne wandern sieht – als kleine Striche statt Punkte auf dem Foto.

Eingesetze Technik: Canon EOS 500D mit 18-55mm EF S bei 18-25mm, ISO 3200, Belichtungszeit 20-30 Sekunden, Blende 3,5

Tierfotografie
Naja, Tiere und ich, das ist so eine Sache. Meistens bleiben sie nicht stehen, bewegen sich von mir weg und sind dann meistens unscharf. Wenn ich so nachdenke, ist mir bisher nur ein gutes Foto mit einem Tier als Model gelungen. Ein Greifvogel über Damnatz. Alle anderen sind unspannend oder technisch schlecht. Da kann dann auch nur noch die spätere Bildbearbeitung was retten.

Eingesetze Technik: Canon EOS 500D mit 18-55mm EF S bei 18-25mm und 55-250mm EF S bei 250mm, ISO 200, Belichtungszeit 1/640 Sekunde, Blende 3,5-8

Portraitfotografie
Menschen, ich und ich an der Kamera, das ist auch so eine Sache. Meistens bleiben sie nicht stehen . . . ;)

Ich habe ein Talent dafür, immer genau dann abzudrücken, wenn die zu fotografierende Person gerade doof guckt, die Augen zu hat oder sich hektisch von mir wegbewegt. Gut, meine alte Knipse sieht nicht nur semiprofessionell und abschreckend aus, sie ist auch deutlich träger, was Auslösezeit und Blitzaufladung angeht. Die Fokusprobleme beim Zoomen tun ihr übrigens. Jetzt schnalle ich das Teleobjektiv rauf, geh auf 250mm, schalte den Servo-Fokus ein und lass die Person nicht unbedingt wissen, dass ich sie fotografiere. Und ja, ich respektiere das Recht am eigenen Foto und lichte keine fremden Personen einfach so ab.

Dank der großen Tiefenunschärfe wirken dann die Portraits sogar fast professionell. Und ich habe auch Spaß dabei und deutlich weniger Ausschuss wie früher.

Eingesetze Technik: Canon EOS 500D mit 55-250mm EF S bei 200-250mm, ISO 100-800, Belichtungszeit abhängig von der Helligkeit, Blende 3,5-5,2

Landschaftsfotografie
Das lag mir früher eigentlich ganz gut. Bisher hatte ich aber kaum Gelegenheit, um schöne Landschaften aufnehmen zu können. Da bin ich auch wirklich überfragt, was ich da am besten alles an der Kamera einstelle. Ich habe mir bisher einen einen günstigen Polfilter gekauft, aber auch hier sind große Sprünge wohl zu viel erwartet. Den großen Unterschied, wie man sie zwischen polarisierte und unporalisierte Fotos sieht, konnte ich nicht erkennen. Das ist bisher die größte Baustelle, aber das hoffentlich richtige Zubehör wurde schon geordert: Cokin Filtersystem. Farbverläufe bekomme ich auch mit ein wenig Bildbearbeitung hin, aber ein Grauverlauf macht mir hoffentlich den Himmel dunkler und alles, was unter dem Horizont ist, noch sichtbar hell.

Makrofotografie

Mein Steckenpferd. Irgendwas, was gar nicht so groß ist, ganz groß ablichten. Ob nun Insekten, Blüten oder bspw. Kerzen: 2cm Abstand, Blumentaste gedrückt (Makromodus aktiviert) und ab dafür. Auch wenn ich kein großer Freund von Blumendeko bin, wenn das Licht stimmt und die Blüte hübsch aussieht, schieß ich meine Fotos. Auch wenn ich in den wenigsten Fällen sagen kann, welcher Gattung die Blümchen sind, war ich immer von der Schärfe im Fokus und der Unschärfe im Hintergrund begeistert. Jetzt ist das alles komplizierter. Der Schärfebereich des Kit-Objektivs liegt bei 25cm, das Kit-Teleobjektiv fängt sogar erst bei 1,1m an, scharf zu werden. Daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Frühling und Sommer werden aber noch genügend Motive geben, die fotografiert werden können.

Hierfür interessant ist dann ein Teleobjektiv mit Makromodus, auch wenn ich noch nicht genau sagen kann, was genau der Makromodusumschalter am Objektiv genau bewirkt.

Zeitraffer
Begeistert von div. Zeitraffern von Michael Rissi und div. anderen, die auf Videoplattformen wie Vimeo oder Youtube ihre Erzeugnisse zeigen, wagte ich mich früh an einen eigenen Zeitraffer, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Ausgelöst wurde da noch von der Canon Software (EOS Utility) für den PC, mittlerweile bin ich mit meinem Intervallometer deutlich mobiler geworden. Das größte Problem ist leider die fehlende Geduld. Ein Bild alle 3 Sekunden? Für 10 Sekunden Film muss man also 25 fps * 10 sec. / (60 sec. / 3 Sekunden pro Bild) = 12,5 Minuten warten und knipsen lassen. In 12,5 Minuten bewegt sich die Sonne unbemerkbar vorwärts, eine Wolkensammlung, die am Anfang der Aufnahme im Aufnahmebereich ist, wird auch am Ende noch zu sehen sein, dafür wechselt aber auch das Wetter nicht so wahrscheinlich. Aber alle 3 Sekunden ein Bild ist wirklich schnell für z.B. Landschaften (sich langsam bewegende Wolken). Und dann steht man noch länger an einer Stelle. Um sich ausrechnen zu können, wie lange man für einen Zeitraffer und bestimmten Randbedingungen benötigt, habe ich ein kleines PHP-Script geschrieben.

Was mir also noch fehlt: ein Stuhl, etwas zu lesen und bessere Motive. Ich war zwar schon an der Alster und relativ viel befahrenden Straßen unterwegs, damit ich ein Gefühl für Zeitraffer bekomme, aber bisher waren das einfach nur 10 GB Datenschrott. 20 Sekunden Zeitraffer, bestehend aus 2 Szenen, sind ja auch nicht besonders ansehnlich… eine Serie von ähnlichen Szenarien ist das, was die Zielgruppe sehen will. Bei 40 Sekunden Video lohnt es sich ja nicht einmal, Musik einspielen zu lassen. Also muss da noch irgendwie ein Plan und viel Zeit her. Mal sehen, was die Zukunft da noch so bringt. :)

An Ideen mangelt es zur Zeit nicht, Grenzen werden bisher nur durch die vorhandene Technik und die orientierungslose Motivsuche gesetzt.

Nächste Schritte werden also sein: Cokin Filtersystem einsetzen, Weitwinkelobjektiv besorgen und noch mehr fotografieren. :)

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Über Benjamin Strilziw

Benjamin Strilziw ist der internerz und schreibt über Fotografie, Webentwicklung und das Web im Jahre 2011. Folge ihm auf Twitter oder Facebook.

05. April 2010 von Benjamin Strilziw
Kategorien: 500D, Fotografie | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

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